Landplage, Kaiserwetter und der Goldstaub von ,,Früher"



Liebe Leser von Ritzelzeit, 
mit der Sonne kehren nun auch die Lebensgeister zurück in die muskelbetriebenen Antriebe einer gepflegten Radkultur.
Früher nannten wir es die ,,Religion am Sonntag". Es wurde sich morgens bei Wind und Wetter irgendwo zwischen Görsbach und Berga getroffen, E-Antriebe gab es nicht. Wir erkundeten per Bike die Heimat, lernten die Wälder, Ruinen und wunderschöne Aussichtspunkte kennen und wussten zudem wo es die besten Cappuccinos Mitteldeutschlands gibt. Egal ob im Seeblick, der Clubgaststätte, Manis Lou oder in der Heimkehle, die Wirtsleute wurden zu Freunden, wir waren immer und zu jeder Tageszeit willkommen und wir wurden geliebt.
Die Truppe der ,,Auebiker" wuchs innerhalb weniger Jahre so rasant an, dass wir irgendwann aus allen Nähten platzten. Es gab innerhalb des Clubs Subkulturen, einen Präsidenten der den Namen eines Außerirdischen trug, Leute kamen, Leute gingen und was blieb war diese Art von Erinnerungen, die niemand von uns missen möchte. Nicht für Geld und gute Worte!
Eine geile, irre Zeit ... der wohl bekanntesten ,,Landplage Barbarossas".
Ja früher, dass ist mittlerweile alles mehr als 25 Jahre her. 
Nicht nur wir veränderten uns seit dieser Zeit, sondern auch die Menschen und die große weite Welt um uns herum. 
Ich glaube aber das der Blick zurück, auch damals bei den Großeltern schon so wehmütig war, wenn sie von ,,FRÜHER" sprachen!
Heute Morgen war ,,FRÜHER" dann plötzlich wieder ganz nah!
Während Achim und ich im Stile der ,,Hoch-Tief-Brigade", mit Hochrad und Eigenbau-Cruiser, die Landstraße nach Uftrungen unsicher machten, kam uns so ne Rennrad-Fahrerin entgegen. Wer uns kennt weiß Bescheid über unsere Vorbehalte, vielleicht auch Vorurteile, gegenüber Rennradfahrern.
,,Die haben immer rasierte Beine, weiße Socken an und sie grüßen eh nie". 
Das war das zumindest auch ,,FRÜHER" schon so...
Also nickten wir Ihr ohne Hoffnung auf eine Gegenreaktion zu, so wie wir das netterweise ja immer tun und plötzlich brüllten alle auf dieser gottverlassenen Landstraße los, als gäbe es kein Morgen mehr. 
Es war Ironman Nicole, die erfolgreichste Auebiker-Rennradfahrerin aller Zeiten. Die Straße wurde kurzzeitig in Beschlag genommen und zum Hoheitsgebiet der ,,Hoch Tief Brigade" erklärt. Der komplette Verkehr kam nun zum erliegen und wenige Minuten später, fanden wir uns am Ortseingangsschild von Uftrungen wieder. Dort sinnierten wir nun stundenlang über die guten alten Zeiten.
Weshalb sich unsere Wege gerade heute kreuzten, bleibt mal wieder ein Geheimnis des Universums.
Man könnten sagen es war Zufall, aber daran glaube ich längst nicht mehr. 
Wie auch immer, die Gespräche mit der Gelassenheit und Vertrautheit waren ganz so wie ,,FRÜHER" und einfach nur großartig.
Der Rest ist schnell erzählt.
Die Landstraße gehörte weiter nur uns, die Menschen lachten, grüßten und wollten Fotos.
Nach dem Besuch des Biergartens an der Heimkehle, stellten wir bei bestem Kaiserwetter wieder einmal fest: 
...das eben alles seine Zeit hat, es sich lohnt die Welt zu einer besseren zu machen, Menschen wieder demütig und nett zueinander sein sollten und das es noch immer viele gute Seelen gibt!
Lasst uns lieber danach suchen was uns eint und verbindet, als nach all diesen beschissenen Dingen die uns trennen!
Diese Welt braucht in allen Bereichen definitiv viel mehr Liebe!


In diesem Sinne und hoffend auf noch viele solcher guten Tage...
Euer Alf von Ritzelzeit




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